Musikviertel | Denkmale


Die Denkmale im Musikviertel und im Einzugsbereich (Parkanlagen) haben eine bewegte Geschichte - ebenso wie etliche Baudenkmale, deren Schicksal vergleichbar ist. Die jeweiligen »Sieger der Geschichte« verfuhren recht rabiat mit ihnen, so wie es ins propagierte Geschichtsbild der Ära passte. Sie wurden abgeräumt, eingelagert, eingeschmolzen oder wie unliebsame Möbelstücke im Stadtraum hin- und hergeschoben. Einige sind für immer verloren. Der historische Kontext ihrer Entstehung und ihres Standortes blieb dabei meist unberücksichtigt oder wurde brachial dem gerade geltendem Weltbild entsprechend zurechtgebogen (s. untenstehende Quellen).

Mendelssohndenkmal von 1892
Das 1. Mendelssohn-Denkmal, Vorplatz am Gewandhaus:

Inschrift:
Auf der Vorderseite (Ostseite) des Granitsockels:
»Felix Mendelssohn Bartholdy«
Auf der Westseite:
»Edles nur kündet die Sprache der Musik«


Etwa 3 Meter hohe Bronzestatue des Leipziger Bildhauers Werner Stein (1855-1930). Die Figur des Komponisten und Gewandhauskapellmeisters Felix Mendelssohn-Bartholdy (03.02.1809 Hamburg - 04.11.1847 Leipzig) mit Taktstock am Dirigentenpult lehnend. Auf den vorderseitigen Stufen des Sockels die Muse der Musik. Auf der Südseite zwei singende Engel mit Notenblättern. Darüber ein Relief die kirchliche Musik darstellend (Orgel umkränzt von Lorbeerzweigen). Auf der Nordseite zwei auf der Geige und Flöte musizierende Engel und das Relief die weltliche Musik darstellend (Maske, Flöte und Schwert).
26. Mai 1892: Denkmalseinweihung
9./10. November 1936: Entfernung des Denkmals des »Vollblutjuden Mendelsohn-Bartholdie« durch die Nazis. Danach Einlagerung. Im 2. Weltkrieg verschollen. Vermutlich ist es im Zuge der »Metallspende des Deutschen Volkes an den Führer« (klammheimlich) eingeschmolzen worden.


Mendelssohnbüste von 1947
Das 2. Mendelssohn-Denkmal, Vorplatz am Gewandhaus (Ruine), Fritz-von-Hark-Anlage, heute Mendelssohn-Haus, Goldschmidtstraße:

Inschrift:
»Felix Mendelssohn Bartholdy«


Porträtstele, Bildhauer Walter Arnold (1909-1979);
4. November 1947: Enthüllung des neuen Mendelssohn-Denkmals an der Vorderseite der Ruine des Gewandhauses anlässlich des 100. Todestages des Komponisten.
1967 Umsetzung des Denkmals in die Fritz-von-Harck-Anlage. Möglicher neuer Standort: Mendelssohnufer unweit des 1. Mendelssohn-Denkmals.


Nikisch-Denkmal 1931
Nikisch-Denkmal, Rückseite des Neuen Gewandhauses:

-  In Arbeit  - 

12. Oktober 1930: Das Arthur-Nikisch-Denkmal von Hugo Lederer wird vor dem Gewandhauseingang Grassistraße feierlich enthüllt.


Harkort-Denkmal um 1900
Harkort-Denkmal, ursprünglich in den Anlagen am Georgiring, heute im Bahnhof, Querbahnsteig Westseite:

Inschrift:
»Gustav Harkort«

Heutige Inschrift (Denkmal im Bahnhof):
»Gustav Harkort. 1795-1865. Industrieller und Bankier. 1. Vorsitzender der Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie«


Am Fuß der Säule ein geflügeltes Eisenbahnrad. Marmorbüste stammt von Eduard Lürssen, Säule von Aeckerlein. Die ursprüngliche Säule ist heute nicht mehr erhalten. 1878 von der Leipzig-Dresdner Eisenbahngesellschaft für ihren Vorsitzenden des ersten Direktoriums errichtet.


Seyfferth-Denkmal um 1900
Seyfferth-Denkmal, Johannapark:

Inschrift:
Auf der Vorderseite (Südseite):
»Wilhelm Seyfferth«
Auf der Rückseite:
»Dem Stifter des Johannaparkes die dankbare Stadt«


1896 von der Stadt errichtet. Postament von Hugo Licht, Marmorbüste von Melchior zur Strassen. Das Denkmal befindet sich unversehrt noch heute an Ort und Stelle im Johannapark. Das Wandgrabmal der Familie Seyfferth ist an der Lutherkirche angebracht.


Schäferbrunnen um 1900
Schäferbrunnen, König-Albert-Park (Clara-Zetkin-Park):

Angesiedelt zwischen König-Albert-Allee (Anton-Bruckner-Allee) und dem Scheibenholz. 1908 gestiftet (20.000 RM) von einem hochbetagten Ehepaar anlässlich seiner Silberhochzeit. Modelliert von Bernhard Freytag. Nicht mehr existent.


Bismarck-Denkmal um 1900
Bismarck-Denkmal, Johannapark, heutiger Standort des Clara-Zetkin-Denkmals:

Inschrift:
Auf der Vorderseite (Südseite), am Unterbau:
»Bismarck«
Auf der Rückseite:
»1897«


Gewidmet Otto von Bismarck (01.04.1815 Schönhausen/Altmark - 30.07.1898 Friedrichsruh), Kanzler des Deutschen Reiches, Fürst, Herzog zu Lauenburg. Das Denkmal war ein Gemeinschaftswerk von Adolf Lehnert (1862-1948) und Josef Mágr (1861-1924). Lehnert schuf die Bismarckfigur, während von Mágr die Figur des Schmiedes stammte, der dem eisernen Kanzler - dem »Schmied der Reichseinheit« - das Eichenlaub reicht. In der ersten Fassung war es die Figur eines Jünglings statt des Schmiedes. Letzterer wurde 1942 im »Rahmen der Metallspende des Deutschen Volkes an den Führer« abgenommen und eingeschmolzen (1.260 kg). Kurioserweise wurde das Denkmal zweimal enthüllt: Einmal am 1. April 1895 (Bismarcks Geburttag) vor dem Neuen Theater (heute Opernhaus) in der Fassung mit dem deutschen Jüngling.
Das blieb aber nur eine Episode. Es wurde von dort wieder entfernt. Die Stadtverwaltung entschied sich gegen diesen Standort, sodass die eigentliche zweite und nunmehr offizielle Enthüllung am 18. Oktober 1897 (Tag der Völkerschlacht) am neuen Standort im Johannapark stattfand. Das Bismarck-Denkmal wurde ein Opfer der »Entbismarckisierung« der neuen Machthaber nach dem Kriege. 1946 wurde sein Denkmal als Sinnbild des »reaktionären Preußentums« und des »Todfeindes der Arbeiterklasse« (Sozialistengesetze) geschleift.


Zetkin-Denkmal_Statue Zetkin-Denkmal 2004_Stele
Clara-Zetkin-Denkmal, Johannapark, vormals Standort des Bismarck-Denkmals:

Inschrift auf der Stele:
»Ich will dort kämpfen, wo das Leben ist. Alle große Kunst lebt von dem geistigen Herzblut einer großen Gemeinschaft.
Clara Zetkin«

Ca. 3 Meter hohe Bronzestatue des Bildhauers Walter Arnold und links nach hinten versetzt Betonstele mit Inschrift. Wurde anlässlich des 110. Geburtstages von Clara Zetkin 1967 aufgestellt.


Rentaro-Taki-Denkmal
Rentaro-Taki-Denkmal, am Mozart-Palais, Mozartstraße 6:

Inschrift (japanisch und deutsch):
»Der in Japan hochverehrte Komponist Rentaro Taki (1879-1903) wohnte während seines Studiums am Leipziger Konservatorium der Musik von 1901 bis 1902 in dem nicht mehr erhaltenen Haus Ferdinand-Rhode- Str. 7. Er war der erste japanische Musikstudent in Europa«


Etwa 1,8 Meter hohe Bronzestele mit Relief des Komponisten und Umrissen des Wohnhauses, Bildhauer Ulf Puder. Gewidmet Rentaro Taki (24.08.1879 Tokio - 29.06.1903). Japanischer Komponist, studierte zunächst Musik in Tokio und setzte als erster Japaner seine Studien in Europa fort - am Leipziger Konservatorium 1901/02. Sein Mentor war hier Professor Robert Teichmüller. Während dieser Zeit wohnte er in der Ferdinand-Rhode-Straße 7 (heute Mozartstraße 6). Eine schwere Erkrankung zwang ihn zur Rückkehr nach Japan, wo er 22-jährig starb.


Quellen:
  • Max Eschner, Leipzigs Denkmäler, Gedenksteine und Gedenktafeln, Leipzig 1910
  • Claus Uhlrich, Verschwunden, Schicksale Leipziger Denkmale, Gedenksteine und Plastiken, Leipzig 1994

Stand: 01.06.2005
© Musikviertel e.V. 2005
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