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Ende des 19. Jahrhunderts schienen die Tage der ältesten deutschen Messe gezählt. Die Industrialisierung und das moderne Verkehrswesen machten eine Warenmesse überflüssig. Moderne Mustermessen gab es bereits in Frankreich und Großbritannien. Als sich auch Berlin anschickte, eine solche auszurichten und Leipzig damit den Rang abzulaufen, läuteten endlich die Alarmglocken: Man beschloss anlässlich der 500-Jahrfeier der Verleihung des Messeprivilegs durch Kaiser Maximilian, das die Stadt Leipzig zur Reichsmesse erhob, die Ausrichtung einer modernen Supermesse, um sich wieder Rang und Namen in Deutschland zu erwerben. Man bezog auch die Thüringischen (Sächsisch-Ernestinischen) Herzogtümer ein, um an das einst ungeteilte Kurfürstentum Sachsen zu erinnern. Und in der Tat erwies sich diese »EXPO« des 19. Jahrhunderts als Paukenschlag für die Zukunft der Stadt und ihrer Messe. Die »Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung« von 1897 war die größte Schau, die in Leipzig je geboten wurde. Schirmherr der Ausstellung war der regierende sächsische König Albert (1828-1902). Situationsplan von 1897:
Auf 400.000 qm des jetzigen Clara-Zetkin-Parkes (vormals König-Albert-Park) entstand ein Gelände, das weit über eine Industrieausstellung hinausging. Alle Bereiche des modernen wirtschaftlichen und kulturellen Lebens wurden in gärtnerische, historische und sogar exotische Idyllen gebettet, sodass neben der wirtschaftlichen Anziehungskraft auch hohe volkstümliche Unterhaltung gegeben war. Die Gesamtkosten aus Spenden der Bürgerschaft (1,7 Mill. RM), dem Garantiefond der Stadt (250.000 RM) und Kosten für gärtnerische Anlagen und Brückenbauten (150.000 RM) beliefen sich auf etwa 2,1 Mill. Reichsmark. 4,2 Millionen Besucher zog die Ausstellung zwischen April und Oktober 1897 in ihren Bann, und Oberbürgermeister Dr. Georgi konstatierte in seiner Abschlussrede, dass sich der Aufschwung bereits anzeige und auch in Folge nicht ausbleiben werde. Der Haupteingang des Geländes wurde von zwei mächtigen weißen Pylonen und einem Fesselballon am Rondell des heutigen Anton-Bruckner-Platzes angezeigt. Daran schloss sich die Hauptachse, die König-Albert-Allee (heute Anton-Bruckner-Allee) an. Sie wurde flankiert von einer Vielzahl von Schauhallen und Vergnügungsstätten wie dem Varieté-Theater und hinter dem Flutkanal schließlich begrenzt von der 40.000 qm großen Industriehalle. Links neben der Industriehalle gab es ein »Thüringer Dörfchen« und rechts davon einen großen Rummelplatz. Hinter allem lag noch eine Maschinenhalle und ein Kesselhaus, denn die Ausstellung verfügte über ein eigenes Kraft- und Wasserwerk. Zwischen Flutkanal und dem Inselteich lag das Haupt-Café (Wiener Café) und am gegenüberliegendem Teichufer das Hauptrestaurant der Ausstellung. Am südlichen Ende des Teiches schloss sich das Kneipenviertel an. Entlang der heutigen Ferdinand-Lassalle-Straße standen die Gartenhalle, die Textil- und Kunsthalle und eine Landwirtschaftshalle. Als besondere Attraktion gab es links neben dem Haupteingang an der Karl-Tauchnitz-Straße ein »Deutsch-Ostafrikanisches Dorf« mit 100 Bantuleuten und auf der rechten Seite an der heutigen Edvard-Grieg-Allee in Originalgröße das Alte Rathaus, den »Naschmarkt« und »Auerbachshof«. Das Ganze umkreiste hochmodern eine Elektrobahn von »Siemens & Halske«. Am Abend erstrahlte alles in elektrischem Licht und die Fontänen der beiden Teiche schillerten sogar in vielen Farben. Einzig diese beiden Teiche - der Inselteich und der Teich an der Bruckner-Allee - erinnern heute noch an den großen Trubel. Dagegen bergen die kleine und die »Große Warze«, zwei Hügel, die nunmehr im Winter zum Rodeln genutzt werden, schon längst die Schuttreste einstiger Pracht. Eigens für die Ausstellung waren Märsche komponiert worden, denn ohne Marschmusik ging es in der Wilhelminischen Zeit nicht ab. Der Sachsenkönig Albert (1828-1902) eröffnete und beschloss zusammen mit Königin Carola die Industrie- und Gewerbeausstellung. 1899 erhielt der neu entstandene Park auf dem ehemaligen Gelände der Gewerbeausstellung den Namen »König-Albert-Park«. |
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Stand: 14.04.2005
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© Musikviertel e.V. 2005
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