1 Konzerthaus | 2 Konservatorium | 3 Kunstgewerbeschule | 4 Gewerbeschule |
5 Uni-Bibliothek | 6 Reichsgericht | 7 Rossbach-Haus | 8 Mendelssohn-Denkmal
Das ehemalige Neue Concerthaus (Gewandhaus),
heute Standort des Geisteswissenschaftliches Zentrum (GWZ) der Universität Leipzig, Beethovenstraße 15:
1882-1884 Bau des »Neuen Concerthauses« zwischen Mozart- und Beethovenstraße (der alte Konzertsaal in der Tuchhalle im Quartier zwischen Neumarkt, Gewandgässchen, Universitätsstraße und Kupfergässchen reichte nicht mehr aus) - ein Projekt der Berliner Architekten Martin Gropius (1824-1880) und Heino Schmieden (1835-1913); zum größten Teil finanziert aus dem Vermächtnis des Kunstfreundes Franz Dominic Grassi (1801-1880).
11. Dezember 1884: Einweihung des Concerthauses (Neues Gewandhaus) mit einem Konzert unter Gewandhauskapellmeister Carl Reinecke.
Die drei Giebelfiguren (Apollo, die weltliche und die Kirchenmusik) sowie das Giebelfeld (Apollo unter den Hirten) wiesen auf die Bestimmung des Hauses hin. Die weithin lesbare Inschrift des jüngeren Seneca »RES SEVERA [EST] VERUM GAUDIUM« (Eine ernste Sache ist es mit der wahren Kunst) kennzeichnete den Geist seit den Zeiten des alten Gewandhauses von 1781. Von dort war der Leitspruch, der über über dem Orchesterpodium prangte, übernommen worden. Vor dem Haupteingang stand zwischen 1892 und 1936 das von Werner Stein modellierte Denkmal von Felix Mendelssohn Bartholdy, das die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. zum 10. November 1936 beseitigen ließen. Im Februar 1944 wird das Gewandhaus von Bomben getroffen und brennt aus. Am 29. März 1968 Sprengung der kriegszerstörten, aber wiederaufbaufähigen Ruine des Neuen Gewandhauses. Zwischen 2000 und 2002 Bebauung mit dem Institutsgebäude der Geisteswissenschaftlichen Fakultäten (GWZ) der Universität Leipzig. Der Nachfolgebau von 1981, das heutige »Neue Gewandhaus«, ist auf dem Augustusplatz, wo zuvor das Bildermuseum stand, angesiedelt (s. Links).
Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy«
(ehem. Königliches Konservatorium für Musik), Grassistraße 8:
1885-1887 als Königliches Konservatorium für Musik nach Plänen des Stadtbaurates Hugo Licht errichtet. Dreigeschossiger Dreiflügelbau mit dreibogigem Eingang. Im Inneren ein Vestibül mit Kreuzgratgewölbe auf dorischen Säulen, daran anschließend das Treppenhaus mit dreiarmiger Haupttreppe.
In dem Neubau des 1843 von Felix Mendelssohn Bartholdy gegründeten Konservatoriums wirkten Gewandhauskapellmeister Arthur Nikisch als Studiendirektor und Leiter der Dirigentenklasse, Thomaskantor Karl Straube als Orgellehrer und Max Reger als Kompositionslehrer. Nach erheblichen Schäden während des Zweiten Weltkriegs wurde die Hochschule für Musik bis 1952 wieder instandgesetzt. Seit Herbst 1992 ist die älteste deutsche Musikhochschule mit der seit 1953 bestehenden Theaterhochschule teilweise vereinigt. Ebenfalls im Herbst 1992 hat das Kirchenmusikalische Institut seine Arbeit wiederaufgenommen. Der Konzertsaalneubau konnte 2001 eingeweiht werden.
Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), Wächterstraße 11:
1887-1890 nach Plänen der Oberbauräte Otto Wanckel und Nauck als Kunstgewerbeschule erbaut. Die 29-achsige Hauptfront wird von einem breiten Mittelrisalit und zwei Seitenrisaliten unterteilt. Unter dem ersten Direktor im neuen Gebäude, Ludwig Nieper, und seinen Nachfolgern Max Seliger und Walter Tiemann, entwickelte sich die Akademie zu einer bedeutenden Lehranstalt, vor allem auf dem Gebiet der künstlerischen Buchgestaltung, an der u.a. Max Klinger und Hugo Steiner-Prag unterrichteten.
Zahlreiche Initiativen auf dem Gebiet der Buchkunst gingen von der Akademie aus. 1907 gründete Walter Tiemann gemeinsam mit dem Drucker Carl Ernst Poeschel die erste deutsche Privatpresse, die »Januspresse«. Der Buchkünstler und Illustrator Hugo Steiner-Prag hatte große Verdienste am Zustandekommen der Internationalen Buchkunstausstellung (IBA) von 1927 und der Buchkunstschau »Goethe in der Buchkunst der Welt« von 1932 in Leipzig.
1947 wurde die Akademie offiziell als »Hochschule für Grafik und Buchkunst« (HGB) wiedereröffnet. Seit den 1970er Jahren erlangte hier die Malerei und Grafik der »Leipziger Schule« mit ihren Hauptvertretern Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke großes Ansehen.
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK), Wächterstraße 13:
1889/90 nach Plänen von Hugo Licht als Städtische Gewerbeschule errichtet. Dreigeschossiger Flügelbau mit gelber Klinkerfassade. Die langgestreckte Hauptfront zur Wächterstraße wird durch zwei seitliche Risalite untergliedert, denen hohe Bogenöffnungen und Balustraden vorgelegt sind. Im Inneren ein Vestibül mit Tonnengewölbe, davon ausgehend ein zweiarmiges Treppenhaus. Seit 1992 Sitz der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (Fachbereich Elektrotechnik).
Universitätsbibliothek, Beethovenstraße 6:
Die zweitälteste deutsche Universitätsbibliothek nach der von Heidelberg war bereits gut 350 Jahre alt, als sie 1891 aufgrund ihrer stark angewachsenen Bestände endlich eine neue Heimstatt bekam. 1885 erwarb der Staatsfiskus den Bauplatz im Zentrum des neu entstehenden Stadtteils. Aus dem Wettbewerb ging der Entwurf Arwed Rossbachs als Sieger hervor. 1887 begann der Bau unter Rossbachs Leitung.
Die »Bibliotheca Albertina« ist ein Gebäudekomplex aus vier Flügeln mit einem Mittelbau und zwei Innenhöfen. Die Hauptfassade lag bei der Erbauungszeit gegenüber dem Neuen Conzerthaus (Gewandhaus), das das Zentrum des neuen Viertels darstellte. Mit ihrer betont ausgewogenen Gliederung ist die Fassade nach dem Vorbild italienischer Hochrenaissancearchitektur geschaffen und reich verziert. An der Attika finden sich die Sinnbilder der vier Fakultäten von Arthur Trebst. An der Hauptfront und den Seitenbauten befanden sich in Nischen die Figuren Friedrichs des Streitbaren, des Kurfürsten Moritz von Sachsen, der sächsischen Könige Johann und Albert sowie die von Leibniz, Thomasius, Lessing und Goethe. Davon sind heute allein noch die von Friedrich (»Fridericus Bellicosus«) und Moritz (»Mauritius Elector«) zu sehen. Glanzpunkte der Innenausstattung sind das reich gestaltete Haupttreppenhaus und der halbrunde zweigeschossige Lesesaal. Beide waren am 6. April 1945 zusammen mit dem Mitteltrakt und dem östlichen Gebäudeteil zerstört worden. Zu DDR-Zeiten war die Bibliothek nur noch eingeschränkt nutzbar und verfiel zusehends. 1989/1990 begannen mit Hilfe von Stiftungsmitteln die Planungen für den Wiederaufbau. In den frühen 1990-er Jahren wurde das Gebäude gesichert. Die 1994 begonnene Rekonstruktion fand im Jahr 2002 ihren Abschluss. Seither ist das Gebäude in seiner strahlenden Schönheit zu bewundern und als Bibliothek uneingeschränkt zu benutzen.
Das ehemalige Reichsgericht
(heute Bundesverwaltungsgericht), Simsonplatz 1:
Das zuletzt vollendete und größte Monumentalgebäude des Musikviertels ist das 1888-1895 nach Plänen von Ludwig Hoffmann und Peter Dybwad erbaute, von Otto Lessing u. a. mit reichem Figurenschmuck ausgestattete, am 26. Oktober 1895 eingeweihte Reichsgericht. Nur wenig kleiner als das Reichstagsgebäude in Berlin, besteht es aus vier zusammenhängenden Flügeln, die zwei geräumige Höfe umschließen. Der Mittelbau selbst ist mit einer 68,5 Meter hohen, mit Kupfer gedeckten Kuppel bekrönt, die ihren oberen Abschluss in einer Laterne mit der aufgesetzten Bronzefigur der Wahrheit findet. Das gewaltige Gebäude enthält nicht weniger als 391 Räume, darunter eine große Halle, elf Säle, drei Hauptvestibüle und neun Treppenhäuser. Am großartigsten wirkt die Hauptfront, sie kennzeichnet das Gebäude als den Sitz des höchsten Gerichtshofes des Reiches. Der von sechs korinthischen Säulen getragene Giebel der Vorhalle zeigt in seinem Felde drei Darstellungen der Justitia: In der Mitte die thronende, rechts die strafende, links die freisprechende Justitia. Hier liegt über dem Vestibül der Sitzungssaal der vereinigten Senate, wo die großen Prozesse verhandelt wurden. Von allen deutschen Bauten aus den achtziger und neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts ist das Reichsgericht vielleicht das schönste. Seine Erbauer haben den Renaissancestil frei und schöpferisch behandelt und mit dem Prunk, der ihm eigen ist, die denkbar höchste Klarheit, Harmonie und Zweckmäßigkeit zu verbinden gewusst.
1879, als der oberste deutsche Gerichtshof nach heftigen Debatten um einen geeigneten Standort seinen Sitz in Leipzig einnahm, erstreckte sich an gleicher Stelle das Gelände des Botanischen Gartens der Universität. Das Reichsgericht war als gemeinsamer oberster Gerichtshof zuständig für die Revision in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten sowie in Strafsachen. Außerdem verhandelte es in erster und letzter Instanz in den Fällen von Hoch- und Landesverrat gegen Kaiser und Reich. So wie im Falle von Karl Liebknecht (1907), Carl von Ossietzky (1931) und im Reichstagsbrandprozess (1933). Das Reichsgerichtsgebäude wurde nach 1945 zum »Georgi-Dimitroff-Museum« umgewidmet. Zentraler Ausstellungsraum war der historische Plenarsaal, in dem 1933 der Reichstagsbrandprozess gegen die bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitroff, Blagoi Popow, Wassil Tanew und den Holländer Marinus van der Lubbe geführt wurde.
Das Erdgeschoss beherbergte seit 1952 das Museum der bildenden Künste, dessen altes Gebäude auf dem Augustusplatz nach Kriegsschäden abgetragen worden war (heutiger Standort des Gewandhauses). Das neue Bildermuseum am Sachsenplatz mit der ältesten Bürgersammlung Deutschlands und den Malern der »Leipziger Schule« öffnete am 04.12.2004 seine Pforten (s. Links).
Nach der Wende empfahl die Föderalismuskommission des Bundesrates (1992), dass das Bundesverwaltungsgericht (BVG) von Berlin nach Leipzig umziehen sollte. Von 1998 bis 2002 wurde das Reichsgericht von Grund auf saniert und für den Umzug des Gerichtes nach Leipzig vorbereitet. Seit Ende August 2002 residiert das BVG in Leipzig.
Rossbach-Haus, Beethovenstraße 8:
Nach Plänen von Arwed Rossbach ließ der Bildhauer und Stukkateur Conrad Louis Heydrich 1892/1893 das Eckhaus erbauen (sogenanntes »Rossbach-Eckhaus«). Die exponierte Lage gegenüber der westlichen Seite der »Bibliotheca Albertina« verpflichtete Rossbach zu einem hohen Maß an Repräsentanz. Die Fassade zeigt freies Spiel mit den Formen der deutschen, französischen und niederländischen Renaissance und bildet so einen architektonischen Höhepunkt im Musikviertel.
Das Innere entsprach ganz diesem Anspruch: von einem breiten Vorflur und einem ovalen Treppenhaus erreichte man je eine ca. 500 qm große Wohnung. Um die Jahrhundertwende wohnten hier der Musikverleger W. F. W. Siegel (Kistner und Siegel), der Verleger und Druckereibesitzer R. Heinrich Brockhaus sowie Rechtsanwälte am Reichsgericht und Musiker des nahen Gewandhauses. Zu DDR-Zeiten hatten hier u. a. der Maler Bernhard Heisig und der Gewandhausdirektor Karl Zumpe ihr Zuhause. Seit März 2004 wurde das Haus von einer Leipziger Firma saniert und im März 2005 fertiggestellt.
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